Es war
einmal, ...
So beginnt auch diese Geschichte, denn sie spielt in einer Zeit
als hier - wo wir gerade sind - noch ein undurchdringlicher und
gefürchteter Wald war. Als statt der Autobahn noch ein holpriger
Weg durch das Land führte und die unterirdischen Rinnsale noch
glucksende Bäche waren.
In dieser Zeit glaubten die Menschen an Feen, Hexen, Drachen
und andere Fabelgestalten. Und, ob ihr es glaubt oder nicht, ab
und zu begegnete einer so einem Zauberwesen. Was er erlebt oder
erfahren hatte, erzählte er dann weiter, und weiter und weiter.
Auf diese Art habe auch ich diese Geschichte erfahren und gebe sie
nun an euch weiter.
Wer schon einmal durch einen Wald gewandert ist, kennt das
schöne und leichte Gefühl, wenn man durch den Wald heraus auf
eine sonnenbeschienene Lichtung tritt.
Auf so eine Lichtung hatten die Feen ihre Siedlung gebaut. Die
Häuser, aus feinen, schimmernden Lichtfäden gewoben standen im
Halbkreis um eine Quelle. Jeden Morgen trafen sich die Feen und
Elfen bei der Quelle und begrüßten die Sonne und den neuen Tag
mit einem schwebenden, leichten Tanz. Feine, klingende Musik
erfüllte die Luft und jedem Betrachter schien die Zeit still
zustehen.
Mitten im Wald, dort wo die Bäume am dichtesten stehen, war
ein Dorf ganz anderer Art. Hier lebten die Hexen in windschiefen,
baufälligen Häusern. Die Türen waren mit schweren Brettern
vernagelt, dafür ragten unendlich hohe Rauchfänge in den Himmel.
Durch diese flogen die Hexen und Zauberer mit großem Getöse ein
und aus.
Auch hier standen die Häuser im Halbkreis. Allerdings nicht um
eine Quelle sondern um einen riesigen Scheiterhaufen, der jede
Nacht entzündet, und um den mit Gegröle und Gejohle bis zum
Morgengrauen getanzt wurde.
Obwohl die Hexen von den Feen, und die Feen von den Hexen
gehört hatten, kümmerten sie sich nicht um einander. Im
Gegenteil, sie wollten nichts miteinander zu tun haben und
unerfahrene Feen und Elfen wurden ebenso vor den fürchterlichen
Hexen gewarnt, wie Zauberschüler vor den gefährlichen Feen.
Das einzige Lebewesen, das beide Völker kannte war Dragodil,
ein Drache - manche sagen ja, dass er eher wie ein Krokodil aussieht. Seine Schlaf - und Wohnhöhle war im felsigen Gestein,
das Wald und Lichtung weithin überragte. Sein Lieblingsplatz, ein
ausgeschwemmter Fels, war direkt vor seinem Höhleneingang.
Und von dort hatte er nicht nur einen besonders guten Ausblick
in die Feensiedlung sondern wenn er seinen Kopf etwas
nach rechts wandte, auch auf das Hexendorf. Die Luft trug
Feenmelodie und Hexengeschrei zu ihm und er freute sich, nicht
allein zu sein.
Je nach momentaner Laune gefiel ihm einmal die Feenmelodie
besonders gut; Er träumte dann die schönsten Dinge. Dann wieder
machte ihm das Gegröle besonderen Spaß und er spuckte Feuer,
dass es weithin sichtbar war (und verbrannte sich dabei regelmäßig seine Zunge).
So führten alle zufrieden ihr Leben, bis eines Tages, ...
... und da beginnt unsere Geschichte.
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