Werte
Damen und Herren LeserInnen
Es
freut mich, dass ich von der p.t. Chefredaktion persönlich dazu eingeladen
wurde, Ihnen mein pädagogisches Fachwissen zur Verfügung zu stellen.
Eine
wahrhaft heldenhafte und längst fällige Tat, nachdem man mich bei ICHDUWIR
seit der Einstellung der Druckausgabe von „Der fliegende Teppich“ weder zu Rate zog noch
zu Wort kommen ließ.
Ohne
schadenfroh wirken zu wollen, muss doch gesagt werden, ich
hab´s immer schon gewusst! Es
hat keinen Sinn und führt zu nichts, wenn man eine Sache zu ernst nimmt und
sich hineinsteigert. Noch dazu für Kinder! Die sind bekanntlich von allen Zeitgenossen am
undankbarsten.
Zuerst
sind sie klein und tun so, als wären sie arme Hascherl. Was sie ja beileibe
nicht sind, denn wer so einem Krabbelkind schon einmal in die Hände
gefallen ist, der weiß wovon ich spreche. Haare ausreißen oder Nasenflügel
zwicken zählen noch zu den geringfügigen, körperlichen Misshandlungen,
wobei ich mich vorm Augenstechen der „lieben“ Kleinen immer am meisten
gefürchtet habe.
Aber,
um auf das Wesentliche zurückzukommen:
Sobald
Kinder tischhoch gewachsen sind, werden sie rotzfrech und stellen Ansprüche,
dass man nur so staunt. „Bedeutende Willensentwicklung“ nennt unsere
Obfrau das. Pah! Aufmüpfige Hinterlist, sag´ ich dazu. Denn während man
sich mit ihrem Wollen und nicht wollen herumschlagen muss, wachsen sie
schubweise wie ein Gummibaum. Obwohl der nur längere Stangen braucht, während
derart geplagte Eltern ständig neue Kleidung kaufen müssen. Und das, ob
sie wollen oder nicht.
Aber
ich habe wissenschaftlich nachgeforscht und die Erkenntnis gewonnen, dass
dieses Schubwachsen nur durch ständige Bewegung möglich ist. JA, darauf
muss man erst kommen, liebe Leute! Jedes Zappeln, Sesselrutschen und Hüpfen
ist gezielter Aufruhr! Deshalb bindet Eure Kinder rechtzeitig fest, sonst
wachsen sie Euch ungeniert über den Kopf.
Und
wenn sie einmal die Größe eines richtigen Menschen erreicht haben, dann
hilft Euch gar nichts mehr. Das Geringste ist noch, dass sich der
Wasserverbrauch sozusagen über Nacht verdoppelt, sobald die ursprüngliche
Gewalttätigkeit neuerlich auflebt. Natürlich diffiziler, was die Brutalität
steigert. Besonders beliebt sind offenkundige Mordanschläge unter dem
Codewort „Musik hören“.
Ich
weiß wovon ich rede, was es bedeutet, wenn jede Begegnung wegen Herzrasen
und Trommelfellplatzung zur Überlebensfrage wird.
Und
glaubt ja nicht, dass man so ein gefährliches Wesen, wenn es endlich ein
ordentlicher Mensch ist, wegen seiner kriminellen Vergangenheit zur
Rechenschaft ziehen kann. Dann haben sie nämlich alles vergessen.
Deshalb
sage ich, wer das einmal in allen Stadien leidvoll durchlebt hat, der muss
sich einfach an den Kopf greifen, wenn jemand im Alter und mit der Erfahrung
unserer Obfrau daherkommt und sich unermüdlich für angebliche,
„kindliche Bedürfnisse“ zerfranst und verunsicherte Menschen
aufwiegelt, es ihr gleichzutun.
Als
verständiger Erwachsener muss man doch zumindest einsehen, dass man sich
derart irre geleitet beinahe zwangsläufig mit Obrigkeiten überwirft.
PolitikerInnen
haben, Gott sei´s gedankt, wirklich andere Sorgen.
Und
sie tun allesamt wirklich genug für Kinder.
Das
muss auch einmal anerkennend festgestellt werden.
Dass
die Unterstützung von ICHDUWIR nicht dazu gehört, ist nur allzu verständlich.
Nicht nur wegen der generellen Streitbarkeit unserer Obfrau. Denn auch mich
versetzt ihre ständige Betonung von „kindlicher Persönlichkeitsstärkung
durch Kulturarbeit“ in Angst und Schrecken. Denn wie, so frage ich mich
oft im Stillen, werden uns, unschuldige und friedfertige Erwachsene erst die
selbstsicheren Kinder misshandeln, wo uns doch schon die nicht gestärkten
von Geburt an malträtieren.
Andererseits
kann man einem bekannten Ort wie dem ICHDUWIR-Theater und dem TPZ großräumig
ausweichen. Und deshalb wäre es durchaus zielführend und in unser aller
Interesse soviel zu spenden, dass die Vorgänge sichtbar und damit
kontrollierbar bleiben.
In
diesem Sinne, unterstützt einen guten Zweck!
Euer
hochwohlgeborener
prof. Kinderschreck
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